literatur

Glauben Sie das? - Das Schreiben ist manchen Menschen in die Wiege gelegt, andere tun sich halt schwer. Der eine kann sich sehr gewandt und ideenreich ausdrücken und schreibt seitenlang praktisch fehlerlos, dem anderen drückt der Stift ins Fleisch, schon in der Grundschule hat sich gezeigt, dass Rechtschreibung nicht seine Stärke ist, und irgendwie fügen sich die Sätze bei ihm nie fugenlos zusammen. Die Muttersprache wird eben von der Mutter, höchstens noch vom Vater vermittelt, und zwar ganz früh. Jedenfalls nicht mehr in der Schule. Da kann man Deutsch schon, oder nicht. Da kann man nichts machen.

Wer so denkt, der sitzt einem Irrtum auf, der fatale Folgen haben kann. Die Fähigkeiten in der deutschen Sprache wurden durch die G8-Lehrpläne noch einmal aufgewertet: Neuerdings müssen alle Schülerinnen und Schüler das Fach Deutsch im Abitur schriftlich belegen.

Wer sich eine Abituraufgabe im Fach Deutsch schon einmal angesehen hat, der weiß, dass die Anforderungen recht anspruchsvoll sind. Die Abiturienten sollen in der Lage sein, Probleme zu erörtern, Texte, sowohl sachlicher als auch literarischer Art, zu erschließen sowie eigene Texte, wie zum Beispiel einen Kommentar oder eine Rede, zu gestalten.

Diese Fähigkeiten sind ihnen natürlich nicht in die Wiege gelegt worden, und niemand wird behaupten wollen, dass begabte Fünftklassler die Aufgaben auch nur annähernd lösen könnten. Irgend etwas müssen die Abiturienten also gelernt haben im Laufe ihrer Schulzeit; nur geschehen die Fortschritte vergleichsweise langsamer als in anderen Fächern. Sie werden in einem lang andauernden, teils mühsamen, teils unmerklichen Prozess erworben.

Der Deutsch-Unterricht begleitet diesen Prozess unterstützend. Dies geschieht in einem spiralförmig aufgebauten Lernprogramm, das schon in der fünften Jahrgangsstufe beginnt, und genau wie bei jedem anderen Fach sind Kenntnisse, Interesse, Freude am Problemlösen und viel Übung durchaus hilfreich für die Entwicklung der geforderten Fähigkeiten.

Mit welchen Maßnahmen versucht nun der Deutsch-Unterricht des Gisela-Gymnasiums diesen Lernprozess zu unterstützen? Die Lehrpläne, sind in allen bayerischen Gymnasien die gleichen. Auch die Zahl und Art der großen Leistungsnachweise sind vom Lehrplan weitgehend vorgeschrieben, wurden aber von unserer Fachschaft konkretisiert. Hierunter fallen übrigens auch die zentralen Jahrgangsstufentests.

Es geht im Deutsch-Unterricht jedoch nicht nur um die großen Leistungsnachweise oder allgemein um notenrelevante Fähigkeiten. Die Fachschaft hat darüber hinaus eine Liste mit Empfehlungen  für Jahrgangsstufenprojekte zusammengestellt.

Das Gisela-Gymnasium sieht sich als Stadtteilschule im Herzen Schwabings unter der besonderen Verpflichtung, am kulturellen Leben dieses traditionellen Künstlerviertels teilzuhaben. Führungen durch das literarische Schwabing der Jahrhundertwende können vom Schulgebäude ausgehend die Spuren Thomas Manns, Frank Wedekinds und vieler anderer Schriftsteller verfolgen. Unserer Schule gegenüber befindet sich aber auch das Theater der Jugend, die "Schauburg", ein sehr engagiertes Theater mit ausgezeichnetem und anspruchsvollem Programm, mit dem viele Lehrkräfte eng zusammenarbeiten. Vor allem Klassen der Unter- und

Mittelstufen besuchen an den Abenden oder auch an Vormittagen Vorstellungen dieses Theaters. Eine weitere kulturelle Institution in unmittelbarer Nachbarschaft ist das Isabella-Kino, mit dem das Gisela-Gymnaium schon wiederholt zusammengearbeitet hat.

Möglichkeiten des Theaterspiels gibt es beim Mittelstufentheater und im Rahmen eines P-Seminars für die Q11 und Q12.

Der GiselaSlam ist eine weitere Möglichkeit, sich auf der Bühne auszuprobieren. Der Wettbewerb ist auf dem besten Wege, zu einer festen Einrichtung zu werden. Ziel sind drei bis vier regelmäßige jährliche öffentliche Veranstaltungen, die den Schülerinnen und Schülern an ihrem eigenen Gymnasium Gelegenheiten geben, die Wirkung ihrer Texte zu testen.

Ebenfalls im Rahmen eines P-Seminars für die Jahrgangsstufen 11 und 12 wird bei uns die Basis für eine Schülerzeitung gelegt; aber auch Schülerinnen und Schüler aller anderen Jahrgangsstufen dürfen an ihr mitwirken.

Neben der Oberstufenbücherei für alle Fächer existiert seit 2013 auch eine Unter- und Mittelstufenbücherei, die unseren Schülerinnen und Schülern den Weg zum Buch so einfach wie möglich machen möchte.

Seit 2014 beteiligt sich das Gisela-Gymnasium mit ausgewählten Klassen am Wettbewerb „Jugend debattiert“.

Aufgrund ihrer Lage hat das Gymnasium auch einen besonders hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund. Um diese Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, mit ihren besonderen Schwierigkeiten und Fähigkeiten gezielt zu unterstützen, wurden Sprachbegleitungs-Kurse eingerichtet.

Im Studienseminar des Gisela-Gymnasiums werden Kandidaten für das Lehramt in Deutsch unter der Leitung von Frau OStD Flachs auf das zweite Staatsexamen vorbereitet. Unsere Referendare machen fehlende Erfahrung durch jugendlichen Elan und frische Ideen wett und bereichern so die Fachschaft.

Eine weitere Besonderheit des Gisela-Gymnasiums ist die Aufnahme von Hörbehinderten. Unser Gymnasium war bayernweit das erste, das hörbehinderte Kinder zum Abitur führte. Was das für das Fach Deutsch bedeutet, lesen Sie hier.

All diese Vorgaben werden von den Deutsch-Lehrkräften des Gisela-Gymnasiums auf individuelle Weise umgesetzt. Es sind in erster Linie die Lehrerinnen und Lehrer, die in Eigeninitiative und in guter Zusammenarbeit besondere Angebote machen können, um so dem Fach ein besonderes Profil zu geben. Im Namen der Deutsch-Fachschaft darf ich hoffen, dass uns dies Tag für Tag ein wenig gelingt.

Bert Schwarzer

 

 

Zum Seitenanfang